Warum wir manche Fachbegriffe vermeiden

Manche Fachbegriffe in der Fotografie sorgen vor allem bei Anfängern immer wieder für Verwirrung. Das liegt oft daran, dass sie einfach nicht einleuchtend sind oder dem natürlichen "Gefühl" für das betreffende Thema einfach widerstreben. Verfechter der Fachbegriffe mögen sich auf den Standpunkt stellen, dass man die paar Begriffe als an der Fotografie Interessierter einfach lernen soll und diese Ansicht möchte ich auch niemandem absprechen. Dennoch haben wir uns bei LENSTESTS dafür entschieden, möglichst wenige Fachbegriffe zu verwenden und auch manche etablierte Begriffe durch andere, einfacher verständliche Begriffe zu ersetzen. Wir gehen davon aus, dass diese Begriffe dann für den Anfänger leichter verständlich sind, dass aber auch der Vollprofi sofort erkennen kann, worum es geht. Wo sich Fachbegriffe nicht vermeiden lassen, haben wir den jeweiligen Begriff gestrichelt markiert - ein Klick darauf liefert dann eine Erklärung.

Dabei geht es uns nicht um eine ideologische sondern um eine ganz pragmatische Sache: wir wollen es unseren Lesern so leicht, wie möglich machen. Anders als andere Webseiten und Publikationen möchten wir, dass sich unsere Leser ein eigenes Urteil über die getesteten Produkte bilden können und dafür ist es notwendig die Zusammenhänge so gut wie möglich selbst zu verstehen und nachvollziehen zu können. Wir verzichten auch nicht auf Anglizismen oder Fremdwörter die im allgemeinen Sprachgebrauch verbreitet sind sondern eben nur auf solche Begriffe, die nur wenigen Lesern etwas sagen oder eben immer wieder zu Missverständnissen führen. Zum Beispiel das an jeder Spiegelreflexkamera vorhandene Automatikprogramm names "TV" (oder einfach "T") kommt vom Englischen Time Value und bedeutet, dass in diesem Modus der Benutzer die Verschlusszeit wählt und die Kamera dann die Blende automatisch dazu passend einstellt. In Deutschen Bedienungsanleitungen wird der "TV"-Modus aber Blendenautomatik genannt und das Gegenstück dazu - der "AV"-Modus (aperture value = "Blendenwert") wird Zeitautomatik genannt. Das macht zwar auch Sinn ist aber völlig unintuitiv, weil es einfach nicht zu den auf der Kamera verwendeten Abkürzungen passt. Viel besser wären die Begriffe Zeitwahl-Modus (TV) und Blendenwahl-Modus (AV).

Für mich sind unverständliche Fachbegriffe wie ein User-Interface, das zwar mächtig ist aber nicht intuitiv zu bedienen.

Alternative Begriffe

Es folgt eine kleine Übersicht über die von uns verwendeten alternativen Begriffe und deren gängige Pendants:

Verzerrung

Wir verwenden den Begriff der optischen Verzerrung da er im allgemeinen Sprachgebrauch wesentlich gebräuchlicher ist, als der Fachbegriff Verzeichnung und zudem dasselbe bedeutet.

Farbfehler

Nun, weshalb wir den Fachbegriff der "Chromatischen Aberrationen" vermeiden wollen, brauchen wir vermutlich nicht näher darzulegen.

Farbfehler in scharfen Bildbereichen, Farbfehler in unscharfen Bildbereichen

Hier beschreiben wir lieber worum es geht, als einen schwer verständlichen Fachbegriff zu verwenden. Um die üblichen Fachbegriffe Farbquerfehler (scharfe Bildbereiche) und Farblängsfehler (unscharfe Bildbereiche) zu verstehen, muss man sich sehr intensiv mit Optik beschäftigen.

Schönheit der Unschärfe

Vielerorts mit dem Japanischen Wort "Bokeh" bezeichnet, haben wir uns mit "Schönheit der Unschärfe" für eine Umschreibung des Sachverhalts entschieden. Diese Objektiv-Eigenschaft kann nicht völlig objektiv beurteilt werden und wir haben unseren diesbezüglichen Test auch nur auf die begünstigenden Umstände (Form der Blende und unerwünschte Farbsäume) beschränkt. Dass diese Objektiv-Eigenschaft eine sehr subjektiv zu beurteilende Eigenschaft ist, drückt unserer Meinung nach das Wort "Schönheit" bereits aus.

Wölbung der Schärfeebene

Zugegeben: auch unser Begriff wird nicht jedem auf Anhieb einleuchten. Allerdings kann man sich unter einer "Schärfeebene" unserer Meinung nach mehr vorstellen, als unter einem "Bildfeld" weshalb wir den üblichen Begriff Bildfeldwölbung vermeiden.

Schärfebereich

Der Begriff Tiefenschärfe oder auch Schärfentiefe ist für den Laien nicht auf Anhieb einleuchtend. Da man (mit Ausnahme von Tilt/Shift Objektiven) den Schärfebereich eh nur in der Tiefe beeinflussen kann, haben wir uns für diesen Begriff entschieden.

Randschatten

Wer das Wort Randschatten liest, stellt sich schon ungefähr das richtige vor. Der üblicherweise verwendete Fachbegriff Vignettierung ist hingegen eher abstrakt. Die auch häufig verwendete Randabschattung kommt der Sache näher, aber unserer Meinung nach ist Randschatten der eindeutigste und am leichtesten verständliche Begriff.

Hohe/niedrige Blendenzahl

Normalerweise spricht man im Zusammenhang mit Blenden von großen und kleinen Blenden. Unter einer großen Blende versteht man eine weit geöffnete Blende, die mögichst viel Licht durch das Objektiv lässt. Da z.B. eine Blende von f/4 mehr Licht hindurch lässt, als eine Blende von f/8 nennt man in diesem Vergleich f/4 groß und f/8 klein. Das widerstrebt aber dem natürlichen Empfinden für die verwendeten Zahlen, denn 8 ist eine größere Zahl, als 4. Die übliche Begrifflichkeit "groß/klein" bezieht sich eben weniger auf die Zahl, als auf die damit verbundene Größe des Durchmessers der Blendenöffnung. Daher haben wir uns entschieden wo möglich von Blendenzahlen statt von Blenden zu sprechen und somit diese als hoch oder niedrig zu bezeichnen. f/4 ist also eine niedrigere Blendenzahl, als f/8.